Sehr viele Führungskräfte arbeiten in ihren Ferien und in ihrer Freizeit. Die Alltagshektik mit den vielen Sitzungen lässt kaum noch Zeit, die Flut an E-Mails, Dokumente zum Review und Newsletter zu bewältigen, geschweige denn die Sitzung für das strategische Gremium vorzubereiten.
Ferien, Wochenende, Feierabend oder das Aufwachen mitten in der Nacht bringen endlich Ruhe, endlich Zeit, nachzudenken und nachzuholen, was tagsüber keinen Platz mehr hat. Besondere Bedeutung hat der Sonntagabend: Da bereitet man sich auf den Wochenstart vor. Das ist die neuartige «Erholung» vom Dauerstress zwischen Montag und Freitag.
Der Beruf hat sich zur Priorität eins im Leben hochgearbeitet. Da sitzt man fest im Sattel, fühlt sich kompetent, ist den Situationen gewachsen. Und wenn es brenzlig wird, pariert man so elegant wie möglich.
Wie schön wäre eine vergleichbare, aber wahrhaft erholsame Hingabe zum Partner/zur Partnerin, zu den Kindern, zu Freunden oder zu Hobbies. In Ruhe zusammen sein, in Beziehung gehen, hinhören, von sich (nicht vom Job) erzählen, das Gemeinsame geniessen – nicht konsumieren, ablenken, kompensieren. Das ist die Idee von Freizeit, Ferien und Co.: Entspannung des Nervensystems (inklusive Gehirn!), Ausgleich, Kräfte tanken.
So professionell man im beruflichen Alltag inzwischen ist, so unprofessionell ist man im Privaten. Work-Life-Balance ist ein Begriff ohne echten Inhalt und voller Fehlinterpretation: Wenn Freizeit zum Konsum von Unterhaltung mutiert, wenn man seine Sinne weiter mit Ablenkung überflutet, dann ist das wieder Anspannung mit dem Ziel, den Stress zu überdecken.
Es ist längst kein Trend mehr, die Freizeit auch für den Job zu nutzen. Das ist bei den meisten Führungs- und Fachkräften Realität. Um das schlechte Gewissen nicht noch zu verstärken, verzichte ich darauf, über den Preis zu schreiben, den man dafür bezahlt. «Mein Beruf ist mein Hobby» oder «Ich mache das einfach sehr gerne» ist eine verlegene Antwort auf: «Mir fehlt die Fantasie, die Kraft, der Wille, mich mit mir und meinem Umfeld ehrlich in Verbindung zu setzen.»
Wenn Sie Ihren Job weiterhin gut bewältigen und wieder echte, entspannende Freizeit erleben möchten, aber nicht mehr wissen, wie Sie das bewerkstelligen können, dann freue ich mich auf das Gespräch mit Ihnen.